Nicht von dieser Welt – Der Río Tinto

Heute möchte ich euch eine der außergewöhnlichsten Fotolocations Andalusiens vorstellen, mit einer Szenerie, wie sie wohl einzigartig auf dieser Welt ist: Das Flussbett des Río Tinto, eingefärbt in Tönen von Safrangelb bis Zinnoberrot.  Dem Betrachter fällt es nicht schwer, sich vorzustellen, auf einem anderen Planeten zu sein. Der Río Tinto (deutsch Roter Fluss) schlängelt sich über fast 100 Kilometer  vom Norden der andalusischen Provinz Huelva bis hinunter zur Provinzhauptstadt Huelva,  wo er in den Atlantischen Ozean mündet.

Der rote Fluß

Rosarot, zinnoberrot, karminrot, violett, kobaltblau bis fast schwarz zieht sich der Fluss durch eine einsame, friedliche Berglandschaft. Die Steine und Erde der Ufer sind gelb und orange gefärbt. Das saure Wasser des Río Tinto (mit einem pH-Wert zwischen 1,7 und 2,2) voller Schwermetalle, Eisen, Kupfer, Magnesium, Kadmium etc. mutet lebensfeindlich an und ist dennoch voller Leben.

In diesem Fluss können weder Fische, Amphibien noch Pflanzen überleben. Für Tiere ist das Wasser ungenießbar. Lange Zeit  hielt man das Gewässer für tot, bis man seine üppige Welt an unterschiedlichsten Mikroorganismen (Pilze, Algen und Bakterien) entdeckte. Mikroorganismen, die sich von Sauerstoff und Mineralien ernähren und die durch ihren Stoffwechsel dem Fluss seine markante Farbe geben.

Geschichtliches zum Río Tinto

Diese geschichtsträchtige Region hat so viel Interessantes zu bieten, dass man mindestens zwei Tage für seine Fototour einplanen sollte. Einst blühte hier eine der bedeutendsten Industrien Spaniens auf, als 1873 der Rothschild-Clan die mit Verlust arbeitenden staatlichen Ríotinto-Minen erwarb. Aber auch schon die Römer deckten sich hier mit Kupfer ein.

Und was nur Wenige wissen: Die Ortschaft Ríotinto ist die Wiege des spanischen Fußballs. Die englischen Minenarbeiter, die das Spiel mit nach Spanien brachten, brauchten eine gegnerische Mannschaft und brachten kurzerhand ihren spanischen Kollegen das Kicken bei. So wurde die erste spanische Fußballmannschaft gegründet.

Zeitzeugen der Vergangenheit

1837 leitete der Bau der Eisenbahn das Industrielle Zeitalter in der Gemarkung Río Tinto ein. Mit großen Waggons wurde das Erz entlang des Flusses bis zum Hafen von Huelva transportiert.  Als das Geschäft nicht mehr rentabel war, wurde 1984 der Güterverkehr eingestellt. Aber dank der Stiftung Río Tinto können Besucher auch heute noch auf einer Strecke von 12 Kilometern die Landschaft von einem alten Minen-Zug aus genießen.

Ein interessantes Fotomotiv stellen alte Diesel- und Dampfloks mit einigen Waggons dar, die langsam auf Abstellgleisen vor sich hin rosten. Für das Betreten dieses Areals benötigt man allerdings eine Genehmigung.

Texturen soweit das Auge reicht

Riotinto bieten einen breit gefächerten Katalog an Texturen: Oxidiertes Metall, verfallene Wände, morsches Holz und Böden voll mit kristallisierten Substanzen, die in allen Farben schillern.

Empfohlene Ausrüstung

Auf alle Fälle benötigt man festes Schuhwerk, denn an vielen Stellen ist der Uferschlamm glitschig und man kann leicht ausrutschen. Man sollte auch nicht seine beste Kleidung tragen, denn der Fluss-Schlamm hinterlässt Flecken, die nicht mehr rauszuwaschen sind.

Neben der Kamera empfehle ich auch das Stativ mitzunehmen und einen Graufilter in die Fototasche zu packen. Dort, wo der Fluss etwas schneller fließt, kann man mit Langzeitbelichtung sehr interessante Resultate erzielen. Die schönsten Motive findet Ihr dort, wo das Wasser flach ist.

Fototouren

Der Río Tinto ist einzigartig auf dieser Welt und bietet unzählige atemberaubende Fotomotive. Wenn Ihr die schönsten Fotospots am Río Tinto kennen lernen wollt, kommt einfach mit zur nächsten Fotoexkursion zum Río Tinto.

Nicht von diesem Planet - Der Río Tinto from Jürgen Heitmann on Vimeo.

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